Heilpraxis Linden Hannover

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Medizingeschichte – Ignaz Semmelweis


Ignaz Philipp Semmelweis

Die Heilkunde ist nicht vom Himmel gefallen. Die Geschichte der Naturheilkunde und der Medizin ist so spannend, wie die der Menschheit selbst. Erkenntnisse um das beste Heilmittel oder die erfolgreichsten Methoden waren dabei oft eine schwere wissenschaftliche Geburt. Nicht selten wurde sie von einzelnen Männern und Frauen geleistet, die als große Geister der Medizin gelten.

Spürt man bei großen antiken Ärzten wie Hippokrates ganz deutlich den Geist der Medizin in der Bemühung, der Natur das Wissen zum Wohle der Menschheit abzutrotzen, so kommt bei den modernen Medizinern noch die Kraft und der tiefe Glaube an die aufstrebende Naturwissenschaft hinzu.

Der ungarische Arzt Semmelweis, 1818 in Ofen (bei Budapest) geboren, gehörte zu jenen Vertretern, die sich auf ihre Erfahrungen am Krankenbett verließen und gegen den Widerstand der Ärzteschaft ein modernes Denken zum Wohle der Patienten in der Klinik umsetzten.

Semmelweis gilt als Entdecker der Antisepsis (Hygiene) in der Medizin. Als junger Assistent in der Geburtshilfe am K. u. K. Allgemeinen Krankenhaus in Wien beobachtete er, dass in den Abteilungen, in denen die Wöchnerinnen von Ärzten und Medizinstudenten untersuchte wurden, die Rate an Puerperalfieber (Kindbettfieber) wesentlich größer war als in jenen Abteilungen, die ausschließlich in der Betreuung von Hebammen lagen. Seinerzeit war es üblich, dass Studenten und Ärzte direkt nach der Arbeit im Seziersaal in die Geburtshilfeabteilungen hinüberwechselten, um die Wöchnerinnen zu untersuchen. Es wurden weder Schutzhandschuhe getragen, noch die Hände gewaschen. Nach dem Tod eines mit Semmelweis befreundeten Gerichtsmediziner als Folge einer Verletzung mit dem Skalpell und einer anschließenden Blutvergiftung, postulierte der Arzt einen Zusammenhang zwischen den „Leichengiften“, die die Kollegen bei der Untersuchung der Frauen übertrugen, und dem Kindbettfieber. Semmelweis verfügte in seiner Abteilung die strikte Vorschrift einer Händedesinfektion mit Chlorkalk vor jeder gynäkologischen Untersuchung. Das Ergebnis war frappierend. Das Puerperalfieber trat nur noch selten auf, sogar weniger häufig als in der von den Hebammen betreuten Station.

Obwohl die Ergebnisse eindeutig waren und Semmelweis nicht müde wurde, seine Erfahrungen zu veröffentlichen, folgte ihm ein Großteil einer bornierten Ärzteschaft nicht und verleugnete die wissenschaftlichen Tatsachen einfach. Als Folge davon starben weiterhin viele Frauen im Wochenbett, wogegen sich Semmelweis besonders in seiner Korrespondenz mit den uneinsichtigen medizinischen Kapazitäten seiner Zeit sehr emphatisch zu Wehr setzte. Dieser unermüdliche, den Arzt an die Grenzen seiner Belastbarkeit führende Kampf gegen das Kollegium um die Hygiene auf den Wöchnerinnenstationen brachte ihm später auch den ehrenvollen Beinamen Retter der Mütter ein.

Wann die Gesetzte der Antisepsis endlich anerkannt wurden und welches Schicksal Semmelweis erlitt, das erfahren Sie bei uns:

Trotzt seines 1861 veröffentlichen Lehrbuches Die Ätiologie, der Begriff und die Prophylaxe des Kindbettfiebers war ein Teil der Ärzteschaft noch nicht bereit, die so notwendigen hygienischen Maßnahmen bei der Untersuchung durchzuführen. Im englischen Sprachraum hat sich als Folge dieser Paradoxie sogar der soziologische Begriff des „Semmelweis Reflexes“ herausgebildet, der eine unmittelbare Ablehnung einer wissenschaftlichen Tatsache trotz vernünftiger Beweise bezeichnet.

Erst nach antiseptischen Experimenten in Operationsgebieten, durchgeführt von dem schottischen Chirurgen Joseph Baron Lister im Jahre 1867, also zwei Jahre nach Semmelweis Tod, wurde die Antisepsis für chirurgische Eingriffe als zwingend notwendig von der Ärzteschaft anerkannt.

Nach zermürbenden Kämpfen mit der Ärzteschaft (auch Virchow war noch der Meinung, dass Wundinfektionen eher mit wechselnden Witterungsbedingungen zu tun hätten), geriet Semmelweis immer weiter in die Isolation und erkrankte schließlich im Alter von 47 Jahren an einer endogenen Psychose. Kurz nach der Einweisung in ein damals so genanntes Irrenhaus in der Nähe von Wien, verstarb der trotzige Geburtshelfer dort unter nicht ganz geklärten Umständen. Seine spätere Rehabilitation und die allgemeine Anerkennung und Umsetzung seiner Erkenntnisse im klinischen Alltag konnte er selbst nicht mehr erleben.

Für seine bahnbrechenden Erkenntnisse in Sachen Hygiene, die eine antiseptische Chirurgie erst möglich machten, und seinen mutigen Kampf für den Schutz der Wöchnerinnen und ihrer Kinder gehört er sicher zu den großen Geistern der Medizingeschichte.

Rüdiger Mackenthun, Heilpraktiker

Einzelheiten zum Leben von Ignaz P. Semmelweis

Semmelweis – Universität in Budapest