Paracelsus – Urvater der Heilkunde im Mittelalter

 

Die Heilkunde ist nicht vom Himmel gefallen. Die Geschichte der Naturheilkunde und der Medizin ist so spannend, wie die der Menschheit selbst. Das Ringen um den Erhalt der Gesundheit hat schon seit Jahrtausenden das Tun und Denken der Menschen bestimmt. Die Erkenntnis um das beste Heilmittel oder die beste Methode war dabei oft eine schwere wissenschaftliche Geburt. Nicht selten wurde sie von einzelnen großen Männern und Frauen geleistet, die wir Ihnen an dieser Stelle kurz vorstellen möchten.

Seinen wirklichen Namen kann man kaum aussprechen: Phillippus Theorphrastus Bomastus von Hohnheim. Der Einfachheit halber wird man besser bei der Kurzform seines Namens bleiben, nämlich Paracelsus. Im November 1493 in Egg bei Einsiedln in der Schweiz geboren, zog er nach dem frühen Tod der Mutter mit seinem Vater, einem bekannten Arzt und Alchemisten, ins Kärntener Land. Nach frühen Einblicken in die Heilkunst, nahm er schließlich mit 16 Jahren das Studium der Medizin an der Universität in Basel auf. Danach schlossen sich etwa zwölf Wanderjahre durch ganz Europa an, in denen der junge Paracelsus neben der wundärztlichen Versorgung auch Alchemie, Astrologie und Theologie studierte. Wahrscheinlich im Jahre 1516 erlangte er in Ferrara seine Doktorwürde und arbeitete in ganz Europa weiterhin als Wundarzt, bis er sich 1524 in Salzburg niederließ.

Paracelsus war ein sehr weitsichtiger und kritischer Mediziner, der aber außerdem, wie es im späten Mittelalter üblich war, den Menschen – und damit auch seine Gesundheit – in einem kosmischen Zusammenhang begriff. Deshalb gehörten für ihn auch neben der Alchemie und der Philosophie die Astrologie im Sinne eines sich ergänzenden Mikro- und Makrokosmos zu den Säulen seiner Medizin.

Gerade Paracelsus Sichtweise auf die Natur des Menschen, die von einer Systematik von natürlichen und spirituellen Einheiten (ens naturale, ens veneni, ens stpirituale) ausging, zeigte sich, wie man heute vielleicht sagen würde, als Modell der damaligen Universitätsmedizin weit überlegen.

Zudem war die Medizin für Paracelsus vor allem eine empirische Angelegenheit, die nicht, wie im damaligen Universitätsbetrieb üblich, ausschließlich in der Lektüre überlieferter Bücher bestehen konnte. Paracelsus lag ein Leben lang im Streit mit der damaligen akademischen Medizin, unter anderem auch, weil er als erster Gelehrter begonnen hatte, sein Vorlesungen in deutscher Sprache und auch vor medizinischen Laien zu halten. Er begriff die Medizin als Heilkunst und nicht als reines, verstaubtes Lehrgut.

Entscheidende Heilerfolge hatte Paracelsus besonders durch seine Studien über Alchemie, aus denen er schon wichtig Erkenntnisse über die Wirkung von Giften ableiten konnte. So beschrieb er etwa als erster, dass die Bezeichnung eines Stoffes als Gift ausschließlich von seiner Konzentration abhängen würde. Die Dosis macht das Gift. Paracelsus forderte schon im 16 Jahrhundert unterschiedliche Arzneien für Männer und Frauen. Damit hatte er eine Erkenntnis formuliert, welche heute von der modernen Medizin erst langsam wieder entdeckt und in die Überlegungen der Forschung mit einbezogen wird.

Die Forschungen des Paracelsus für die Entwicklung der modernen Medizin aber auch für die immer noch gültige Naturheilkunde sind von unabschätzbarem Wert. Sein aufgeschriebenes Wissen ist häufig erst nach seinem Leben gesammelt und in umfassenden Schriften veröffentlicht worden. Wegen seiner bedeutenden Rolle für den Übergang von einer mittelalterlichen in eine moderne, wissenschaftliche Medizin gehört er in jedem Falle mit in der Reihe der Großen Geister der Medizin.

Rüdiger Mackenthun, Heilprakiker, Medizin-und Wissenschaftsjournalist

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