Sir Frederick Banting – Wie er dem Zucker den Schrecken nahm

Sir Frederick Grant Banting

 (R.M.) Die Heilkunde ist nicht vom Himmel gefallen. Die Geschichte der Naturheilkunde und der Medizin ist so spannend, wie die der Menschheit selbst. Erkenntnisse um das beste Heilmittel oder die erfolgreichsten Methoden waren dabei oft eine schwere wissenschaftliche Geburt. Nicht selten wurde sie von einzelnen großen Männern und Frauen geleistet, die wir Ihnen an dieser Stelle als große Geister der Medizin vorstellen möchten.

 Diabetes mellitus heißt so viel wie süßer Durchfluss. Steigt der Zuckerspiegel im Blut über einen bestimmten Wert, so scheidet die Niere Glukose aus und der Urin wird süßlich. Seit der Antike ist das Leiden bekannt, doch wie man der so genannten Zuckerkrankheit therapeutisch zu Leibe rücken kann, das weiß man erst seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Erst der Beginn der Hormonforschung ermöglichte es besonders kanadischen Forschern, die Krankheit mit dem Hormon Insulin in Verbindung zu bringen. Hier ist vor allem die Forschungsarbeit eines Mannes zu nennen, dessen unermüdliche Arbeit im Labor letztendlich den Durchbruch brachte: Frederick Grant Banting, der später für seine Forschungen in den britischen Adelsstand erhoben wurde.

Banting wurde 1891 als Sohn eines Farmers bei Alliston (Kanada) geboren. An der Universität von Toronto studierte er anfangs Theologie, wechselte dann jedoch in die Humanmedizin und schloss das Studium im Jahre 1916 ab, woraufhin er sich gleich als Militärarzt zu den britischen Truppen im 1. Weltkrieg meldete. – Nach dem Krieg praktizierte er als Kinderarzt in London (Ontario), wo er später unter anderem auch Dozent für demonstrative Chirurgie und Pharmakologie war.

Bantings eigentliche Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Zuckerkrankheit begann zu Beginn der zwanziger Jahre an der Universität Toronto. Schon immer hatte ihn diese Krankheit fasziniert, die so ungewöhnlich wie fatal verlief und über deren Ursachen man bis zu jenem Zeitpunkt nur spekulieren konnte. Zwar hatte man früher schon vermutet, dass die Krankheit vielleicht mit einem Hormon zusammenhängen könnte, welches in den Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Beweise dafür gab es jedoch keine, da jeder Versuch, einem Kranken Patienten Teile von tierischen Bauchspeicheldrüsen oral zu verabreichen, praktisch keine Wirkung zeigten.

Die Spekulation, nach welcher das Hormon aus den Langerhanschen Inseln der Bauchspeicheldrüse den Zuckerstoffwechsel reguliere, war für Banting eine Gewissheit. Ebenso war es die Vermutung bezüglich eines zersetzendes Enzym (das Trypsin), welches im Falle der Drüsenentnahme das wertvolle Insulin zerstörte. – Der Forscher hatte in einer Arbeit von Moses Baron gelesen, dass Insulin dem Trypsin zum Opfer fallen würde. Es galt nun eine Methode zu finden, der Bauchspeicheldrüse das begehrte Insulin abzugewinnen und gleichzeitig das Trypsin darin unwirksam zu machen.

Banting nutzte die experimentellen Ergebnisse seines Kollegen Baron. Der hatte herausgefunden, wie man durch Abbindung des Bauchspeicheldrüsenganges eine Degeneration der Trypsin bildenden Zellen herbeiführen und so den Bildungsort des Blutzucker senkenden Insulins erhalten konnte. – Diese Erkenntnis wer der Durchbruch für das, was man heute als moderne Therapie der Zuckerkrankheit kennt.

Fasziniert von dem geheimnisvollen Hormon aus der Bauchspeicheldrüse, stellte Banting dem Physiologieprofessor Macleod in Toronto enthusiastisch seine Ideen vor. Jener vermutete dahinter einen möglichen medizinischen Durchbruch. Er überließ dem jungen Forscher im Jahre 1921 sein Labor und einen seiner tüchtigsten Assistenten, Charles H. Best. – Nach anfänglichen Fehlschlägen, gelang es sehr bald im Tierversuch nachzuweisen, dass die neuartig behandelten Bauchspeicheldrüsen, wenn Teile davon als Lysat gespritzt wurden, beim Versuchstier einen Abfall des Blutzuckerspiegels erreichen konnten. Dies war die Geburtsstunde der Diabetesbehandlung mit Insulin.

Mecleod wusste sofort, was Banting dort entdeckt hatte. Hiermit war es möglich, Millionen von Menschen, die an der Zuckerkrankheit litten, vor dem diabetischen Koma zu retten. Eilig setze er einen Chemiker daran, das Insulin aus dem Hydrolysat zu isolieren. Schon im Januar 1922 wurde der erste Patient mit dem tierischen Insulin behandelt und lebten dann noch ganze 70 Jahre, bis zum Jahre 1993, mit seiner Zuckerkrankheit. Der Beweis für das Insulin und seine Wirksamkeit war damit erbracht.

Banting wurde gemeinsam mit Macleod im Jahre 1923 für seine Forschungsleistung der Nobelpreis verliehen. Im Jahre 1934 wurde er vom Britischen König für die Entdeckung und Isolierung des Insulins in den Adelsstand gehoben.

Banting überlebte seinen ersten erfolgreich behandelten Patienten nicht. Im Jahre 1941 starb er als britisch- kanadischer Verbindungsoffizier bei einem Flugzeugabsturz. – Lebendig ist weiterhin seine Leistung um die Erforschung des Stoffes, der jedes Jahr Millionen von Menschen ein würdiges Weiterleben mit einer schweren Stoffwechselkrankheit gestattet. Dafür gehört er auch für uns zu den großen Geistern der Medizin.

 Rüdiger Mackenthun, Heilpraktiker (Hannover)

 Einzelheiten zum Leben von Sir Frederik Banting

  Wissenswertes über den Diabetes und seine Behandlung

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